Formgestaltung im WKS-Stammbetrieb

Der Beschluss des ZK der SED vom 27.01.1982 und der wortgleiche Beschluss des Ministerrates vom 08.02.1982 über „Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der Formgestaltung in der DDR“ sah u. a. vor, dass in allen Kombinaten entsprechende Maßnahmepläne und Konzeptionen zur weiteren Integration der Formgestaltung in den Forschungs- und Entwicklungsprozess zu erarbeiten waren. So entstand auch im WKS ein Führungsdokument Formgestaltung des Generaldirektors vom 07.05.1982. Dieses Führungsdokument befasste sich mit folgenden Punkten:

  • Anliegen der Formgestaltung im VEB WKS
  • Schwerpunkte der Formgestaltung im VEB WKS
  • Stellung der Formgestaltung im F/E-Prozess
  • Aufbau und Aufgaben des Gestaltungszentrums des VEB WKS
  • Zielstellungen auf dem Gebiet der Formgestaltung und Qualitätsverbesserung in den Jahren 1984 – 1986.

Für den VEB WKS war die Formgestaltung, d. h. die Einheit von funktionellen, ergonomischen und ästhetischen Gesichtspunkten, für folgende Erzeugnisgruppen relevant:

  • Handwerkzeuge (Stammbetrieb, VEB Handwerkzeuge),
  • Elektrowerkzeuge (Elektrowerkzeuge Sebnitz),
  • Druckluftwerkzeuge (Niles Berlin) und
  • Werkzeuginstandhaltungsmaschinen (Werkö, RWS Schmölln)

Bei Handwerkzeugen waren die Schwerpunkte der formgestalter­ischen Tätigkeit

  • die Sicherung des Sortimentserscheinungsbildes,
  • die Verbesserung der ergonomischen Gestaltung und der Oberflächenausführung,
  • die Griffausbildung und
  • die Sortimentserweiterung und Komplettierung.

Eine wesentliche Rolle spielte auch die Verpackungsgestaltung. Die gestalterische Zielstellungen wurden bereits in die Pflichten­hefte der F/E-Aufgaben aufgenommen und mussten u. a. mit dem AIF abgestimmt bzw. von diesem genehmigt werden. Die Verant­wortlichkeiten der Kombinatsleitung in diesem Prozess wurden im Führungsdokument klar geregelt.

Bis 1981 wurden die formgestalterischen Aktivitäten im WKS- Stammbetrieb im Wesentlichen durch externe Kooperations­partner wie z. B. VEB Designprojekt Dresden und Leipzig, Dipl.-Formgestalter Rudolf Kaiser, Dresden, und durch den freischaf­fenden Formgestalter Gerhard Usbeck, Steinbach-Hallenberg, realisiert. 1982 waren im Stammbetrieb lediglich ein Form­gestalter mit Fachschulabschluß und ein Ingenieurökonom für Verpackungsfragen vorhanden.

Das Führungsdokument sah den Aufbau eines Gestaltungs­zentrums des WKS im Forschungszentrum vor. Dessen Leiter sollte gleichzeitig als Chefgestalter des Kombinates fungieren. Das Gestaltungszentrum sollte: 3 VBE für die Formgestaltung, 2 VBE für die Verpackung und 1 VBE für den Modellbau aufweisen.

Der Aufbau des Gestaltungszentrums war für 1984/85 vorgesehen, scheiterte aber an der Einordnung in die jährlichen Planungen, sodass lediglich eine Gruppe Formgestaltung zunächst in der FA Handwerkzeuge im Stammbetrieb und später als Abteilung im Forschungszentrum aufgebaut werden konnte. Bei der Rück­führung der F/E-Kapazitäten des Stammbetriebes zu Beginn des Jahres 1990 verblieb die Abteilung Formgestaltung im Forschungs­zentrum, obwohl es eine Eingabe der FA Handwerkzeuge an den Generaldirektor zum Verbleib der Formgestaltungskapazitäten in der FA Handwerkzeuge und damit im Stammbetrieb gab.

Für die formgestalterischen Aktivitäten des WKS gab es eine Reihe von staatlichen Auszeichnungen, z. B. die Verleihung der Medaille „Gutes Design“ für folgende Produkte:

  • Kraftgriff für Schraubendreher (Stammbetrieb (SB)) zur LHM 1980,
  • Stechbeitel mit Plastikgriff (SB) zur LFM 1981,
  • Kreissägeblattscharfschleifmaschine SWSK 400 (Werkö) zur LFM 1981,
  • Schraubendrehersortiment Form 10 (SB) zur LHM 1985 und
  • Handpreßzange für Lichtwellenleitertechnik (VEB Handwerkzeuge (HWZ)) zur LHM 1987

bzw. das Prädikat „Gestalterische Spitzenleistung“ für den Stammbetrieb für die Erzeugnisse

  • 1983: Schlosserhämmer mit geschweiftem Stiel
  • 1984: Ratschenschraubendreher
  • 1985: Handsägen mit neuen Griffelementen, Steckschlüsselgarnituren, Elektronikzangensortiment
  • 1987: Hämmersortiment mit Stahlrohrstiel.
Hammersortiment mit Stahlrohrstiel

In die Ausstellung „Design in der DDR“ des AIF im Jahre 1988 wurden auch zwei Exponate des WKS aufgenommen:

  • Handpreßzange PE 15 – 1- u des VEB Handwerkzeuge und
  • Hämmersortiment des Stammbetriebs.

Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Erzeugnis­entwicklung (VEB HWZ) und Formgestaltung (FZWI) stellte das konzipierte Zangensortiment mit vereinheitlichter Griff- und Gewerbeausführung dar, das jedoch aus unterschied­lichen Gründen nicht zur Produktionseinführung kam.

Zangensortiment mit vereinheitlichter Griff- und Gewerbeausführung

Mit Auflösung des WKS und mit Umwandlung des FZWI gingen die Formgestalter den Weg in die Selbständigkeit, sodass in den meisten Nachfolgebetrieben des WKS in der Regel keine eigenen Form­gestaltungskapazitäten mehr vorhanden sind.