Die Kombinatsbetriebe des WKS

Laut Wikipedia ist ein Kombinat “ ein Zusammenschluss von produktionsmäßig eng zusammenarbeitenden Industriebetrieben zu einem Großbetrieb in sozialistischen Staaten. In der Zentralverwaltungswirtschaft der DDR war ein Kombinat eine konzernartige, also horizontal und vertikal integrierte Gruppe von Volkseigenen Betrieben (VEB) mit ähnlichem Produktionsprofil. …

Im Kombinat waren Produktion, Forschung, Entwicklung und Absatz einer Branche zusammengeschlossen. Ihre Struktur sollte einer verstärkten Rationalisierung und einer verbesserten, zentralisierten Steuerung der Produktionsabläufe dienen. Geleitet wurde das Kombinat von einem Stammbetrieb aus, der meist der größte VEB im Kombinat war.“ *

Der VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden (WKS) wurde ab 1967 in zwei Etappen aus ehemaligen nach 1945 enteigneten Betrieben gegründet. Ab 1970 umfasste das Kombinat 14 Kombinatsbetriebe und die Abteilung Werbung und Messen in Leipzig. 1971 kam der VEB Metallverarbeitung Brotterode hinzu. 1974 wurden dem Kombinat weitere elf volkseigene Betriebe zugeordnet, die 1972 aus der Verstaatlichung von PGH’s und halbstaatlichen Betrieben entstanden waren. 1976 wurden sechs ehemalige Kombinatsbetriebe direkt in den Stammbetrieb integriert. 1978 wurden das Forschungszentrum der Werkzeugindustrie und der VEB Rationalisierung der Werkzeugindustrie Schmölln, dem das Ingenieurbüro Gera angegliedert wurde, juristisch selbstständig. 1981 erfolgte der letzte Umbau des Kombinates mit der Zuordnung des VEB Werkzeugschmiede Großschönau und des VEB Handwerkzeuge Steinbach – Hallenberg, der Integration des VEB Werkzeuge Schmalkalden und des VEB Sägenfabrik Schmalkalden in den Stammbetrieb, des VEB Werkzeuge Leipzig in den VEB Niles Berlin und des VEB Hartmetallwerkzeuge Schmalkalden in den VEB Hartmetallwerk Immelborn. Nachdem 1988 der VEB Niles Berlin an das Kombinat „7. Oktober“ Berlin abgegeben wurde, umfasste der VEB WKS 1989/1990 15 Kombinatsbetriebe sowie das Forschungszentrum der Werkzeugindustrie und den VEB Rationalisierung der Werkzeugindustrie Schmölln mit insgesamt fast 14.000 Beschäftigten. Hier ein Überblick über die einzelnen Betriebe:

  • Stammbetrieb Schmalkalden mit folgenden Werken:
    • Werk 1: Schmalkalden, Asbacher Str. (Maschinen -, Bergbau -, Holzbearbeitungswerkzeuge, Steinbohrer und landwirtschaftliche Messer)
    • Werk 2: Werkzeugfabrik und Schmiede Steinbach – Hallenberg (Handwerkzeuge, Schmiedeteile)
    • Werk2.1: Oberschönau (Bolzenschneider)
    • Werk 3: ehemals Schmiede Steinbach – Hallenberg
    • Werk .4.1: Steinbach –Hallenberg, Karl –Marx – Str. (Ventile)
    • Werk 4.2: Bermbach (Ventile)
    • Werk 4.3: Bermbach (Handwerkzeuge)
    • Werk 5: Weidebrunn (Maschinenmesser und Sägen)
    • Werk 6: ehemals Schmalkalden Am Bad (Bestecke)
    • Werk 7.1: Schmalkalden Jahnweg (Kellen und Beitel)
    • Werk 7.2: Asbach (Seitenschneider und B eschläge)
    • Werk 7.3.1: Schmalkalden, Am Bad (Bestecke, Rundmesser, Feilen, Sondermaschinen- und Werkzeugbau)
    • Werk 7.3.2: Schmalkalden – Aue (Messer, Spachteln)
    • Werk 7.4: Schmalkalden, Karl –Marx- Str. (Steckschlüssel)
    • Werk 8: Schmalkalden, Eichenrain (Schmiedeteile)
    • Werk 9: Steinbach – Hallenberg (Werkzeugkomplettierungen)
  • VEB Metallverarbeitung Brotterode
  • VEB Technische Messer Berlin
  • VEB Fräswerkzeuge Asbach
  • VEB Werkzeuge und Sicherheitsbeschläge Asbach
  • VEB Hartmetallwerkzeuge Näherstille
  • VEB Präzisionshartmetallwerkzeuge Schmalkalden
  • VEB Schraubwerkzeuge Schmalkalden
  • VEB Stahlwaren Schmalkalden – Aue
  • VEB Werkzeuge Schmalkalden
  • VEB Hartmetallwerkzeuge Schmalkalden
  • VEB Sägenfabrik Schmalkalden
  • VEB Werkzeuge Leipzig
  • VEB Werkzeugfabrik Altenburg
  • VEB Preßluftwerkzeuge Niles Berlin
  • VEB Vereinigte Werkzeugfabriken Geringswalde (VWF)
  • VEB Hartmetallwerk Immelborn
  • VEB Werkzeugfabrik Königsee
  • VEB Werkzeugfabrik Radebeul
  • VEB Feilenfabrik Sangerhausen
  • VEB Präzisionswerkzeuge Schmölln
  • VEB Rationalisierung der Werkzeugindustrie Schmölln (RWS)
  • VEB Elektrowerkzeuge Sebnitz
  • VEB August – Bebel – Werk Zella – Mehlis (ABW)
  • VEB Spezialwerkzeugfabrik Zella – Mehlis (SWZ)
  • VEB Ingenieurbüro der Werkzeugindustrie Gera
  • Forschungszentrum der Werkzeugindustrie (FZWI)
  • VEB Werkzeugschmiede Grossschönau
  • VEB Handwerkzeuge Steinbach-Hallenberg

* Seite „Kombinat“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. März 2020, 07:37 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kombinat&oldid=197860180 (Abgerufen: 30. März 2020, 15:42 UTC)

Projekte im VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden

Zur Erhöhung der Produktivität und zur Verbesserung der Erzeugnisse wurden im Werkzeugkombinat Schmalkalden eine Reihe von Projekten geplant und zumeist auch erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Hierzu zählen u. a.

Ein eher exotisches Projekt war der Aufbau einer Handwerkzeugfertigung in Tunesien durch das WKS als Generalauftragnehmer.

Automatisierungsvorhaben Mähklingenfertigung

Anfang der 1980er Jahre wurde im Stammbetrieb des Werkzeugkombinats Schmalkalden eine sehr fortschrittliche automatisierte Fertigungslinie für gezahnte dreieckige Mähdrescher-Klingen in Betrieb genommen. Sie hatte eine Kapazität von mehreren 10.000 Klingen pro Tag und wurde in der sogenannten „rollenden Woche“ betrieben – d. h. dreischichtig und unter Einbeziehung der Wochenenden. Um Arbeitskräfte für dieses im Werkzeugkombinat einmalige System zu gewinnen, wurden für damalige Verhältnisse sehr großzügige Zuschläge gezahlt.

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VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden (Stammbetrieb) und Montanwerke Walter Tübingen: Eine deutsch-deutsche Kooperation im Jahre 1989

Einleitung

Der vorliegende Bericht befasstsich mit der Vorbereitung und dem Inhalt einer zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geratenen Industriekooperation zwischen einem volkseigenen DDR-Kombinat und einem mittelständischen privaten Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Bericht beruht sowohl auf Dokumenten als auch auf privaten Erinnerungen des Verfassers, der neben wenigen anderen Mitarbeitern des Werkzeugkombinats und der DDR-Außenhandelsorgane in die Aktivitäten dieser Industriekooperation einbezogen war. Wie in der DDR üblich, unterlagen alle Aktivitäten einer strengen Geheimhaltung sowohl im Kollegenkreis als auch gegenüber der DDR-Öffentlichkeit.

Die Grundlagen für diese Kooperation wurden bereits zu Beginn des Jahres 1989 gelegt, erstmals durfte die Presse der DDR nach einem Jahr, Anfang 1990 darüber berichten.

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50 Jahre WKS – Teil 1: Gründung und Entwicklung

In diesem Jahr (2020) jährt sich die Gründung des VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden (WKS) zum 50. Mal. Das WKS war von 1969 bis 1990 das strukturbestimmende Unternehmen in der Region und der größte Arbeitgeber. Allein der Stammbetrieb Schmalkalden beschäftigte ca.4500 Arbeitnehmer. Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen vollbrachten die Arbeiter und Angestellten im Kombinat große Leistungen in der Erzeugnis- und Verfahrensentwicklung sowie in der Produktion.

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50 Jahre WKS – Teil 2: Die Kombinatsbetriebe

Im Jahre der Gründung hatte der VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden 15 Kombinatsbetriebe. Diese Zahl erhöhte sich 1974/75 durch Zuordnung vieler kleiner VEB, die 1972 durch Verstaatlichung von Produktionsgenossenschaften des Handwerks und weiterer Privatbetriebe auf 26. Die meisten dieser kleinen VEB wurden 1976 dem Stammbetrieb und anderen Kombinatsbetrieben zugeordnet.

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50 Jahre WKS – Teil 3: Organisation und Grundlagen der Forschung

Mit der Gründung des VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden (WKS) 1969 wurden auch die bisherigen Entwicklungskapazitäten der Kombinatsbetriebe zusammengefasst und neu geordnet. Bis dahin wurde die Forschung und Entwicklung im Wesentlichen in den Konstruktions- und technologischen Abteilungen mit realisiert.

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50 Jahre WKS – Teil 4: DAS FORSCHUNGSZENTRUM DER WERKZEUGINDUSTRIE (FZWI)

„In Auswertung der Beschlüsse des IX. Parteitages der SED“ -so der damalige offizielle Sprachgebrauch, wo nochmals die „entscheidende Rolle von Wissenschaft und Technik“ betont wurde, und auf der Grundlage der Konzeption zur prinzipiellen Verbesserung des gesamten Prozesses von Wissenschaft und Technik im VEB WKS vom 17.4.1977 kam es im WKS zur Bildung eines selbständigen Forschungszentrums, in das ein Teil der bereits vorhandenen Forschungs- und Entwicklungskapazität einging. Die Gründung des Forschungszentrums (FZWI) erfolgte mit Wirkung vom 1.1.1978 auf der Grundlage der Weisung g 5/78 vom 17.1.1978 mit zunächst ca.60 VBE (Vollbeschäftigteneinheiten).

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