50 Jahre WKS – Teil 4: DAS FORSCHUNGSZENTRUM DER WERKZEUGINDUSTRIE (FZWI)

„In Auswertung der Beschlüsse des IX. Parteitages der SED“ -so der damalige offizielle Sprachgebrauch, wo nochmals die „entscheidende Rolle von Wissenschaft und Technik“ betont wurde, und auf der Grundlage der Konzeption zur prinzipiellen Verbesserung des gesamten Prozesses von Wissenschaft und Technik im VEB WKS vom 17.4.1977 kam es im WKS zur Bildung eines selbständigen Forschungszentrums, in das ein Teil der bereits vorhandenen Forschungs- und Entwicklungskapazität einging. Die Gründung des Forschungszentrums (FZWI) erfolgte mit Wirkung vom 1.1.1978 auf der Grundlage der Weisung g 5/78 vom 17.1.1978 mit zunächst ca.60 VBE (Vollbeschäftigteneinheiten).

Bei der Trennung der bisherigen Fachabteilungen im Direktorat Wissenschaft und Technik des Komblnates verblieben etwa 65 VBE im Stammbetrieb. Der vorläufige Standort des FZWI war eine Baracke auf dem Gelände der Ingenieurschule (Bild 1) Eine Variantenuntersuchung zum endgültigen Standort vom 30.7.1977 ergab als Vorzugsvariante die Nachnutzung des temporären Strafvollzuges am Bad 2. Die von der Bezirksleitung favorisierte Variante: Umzug und Neubau gemeinsam mit der TH Ilmenau und der Akademie der Wissenschaften im damaligen Gewerbegebiet Suhl-Nord scheiterte u.a. an der mangelnden Bereitschaft der betroffenen Mitarbeiter für einen Umzug nach Suhl, obwohl bereits über 100 Neubauwohnungen in Suhl in Aussicht gestellt waren.

Ab 1980 erfolgte schrittweise der Umzug des FZWI in das Objekt 7.3.1. am Bad 2 (ehemaliger Strafvollzug), verbunden mit einer umfassenden Rekonstruktion der Gebäude, Das FZWI begann 1978 mit den FA Spanende Werkzeuge, Technologische Verfahrensentwicklung sowie Werkstoffe (Außenstelle Karl-Marx-Stadt). Bis 1984 kamen als weitere FA die Bauprojektierung, Meß- und Prüftechnik (Außenstelle Zella-Mehlis), Technologische Projektierung und Musterbau hinzu. 1984 übernahm das FZWI die beiden FA Erzeugnisveredlung und Werkzeugapplikation vom Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenbaus in Karl-Marx-Stadt.

Eine grundlegende Neuorganisation des FZWI erfolgte 1985 mit der Zuordnung der gesamten Entwicklungskapazität des Stammbetriebes im Rahmen der neu beschlossenen Leitung des WKS über den Stammbetreib. Der Direktor des FZWI wurde in Personalunion als Direktor für Forschung des Kombinates berufen Ihm unterstanden vier Fachdirektoren im FZWI. Die endgültige Struktur erhielt das FZWI ab 21.09.1987, nachdem der bisherige Fachdirektor für Forschungsplanung die Funktion des stellvertretenden Generaldirektors und Leiter des Stammbetriebes übernahm. Im Jahre 1989 wurde entschieden, die ehemalige Entwicklungskapazität des Stammbetriebes mit Wirkung vom 1.1.1990 wieder zurückzuführen.

Das FZWI hatte bis zur Auflösung des Kombinates im Frühjahr 1990 drei Hauptaufgaben zu erfüllen:

  • Die Projektträgerschaft für alle Forschungs- und Entwicklungsaufgaben des Kombinates und seiner Kombinatsbetriebe einschließlich der nationale und internationalen Wissenschaftskooperation
  • Eigene Grundlagen-, angewandte und Auftragsforschung auf Vertragsbasis für das Kombinat und dessen Betriebe
  • Stabsfunktionen des Kombinates auf den Gebieten Normung, Informationsvermittlung, Schutzrechtsarbeit sowie internationale wissenschaftlich – Technische Zusammenarbeit.

Die Zahl der Mitarbeiter des FZWI wuchs von 1978 mit 60 VbE über 1984 mit 263 VbE bis auf 365 VbE im Jahre 1988, davon 225 Hoch- und Fachschulabsolventen.

Die Anzahl der Patentanmeldungen des FZWI stieg von 2 im Jahre 1978 auf 41 im Jahre 1988 mit einer Verwertungsquote von 32%. Im Zeitraum 1978 – 1989 konnten über 200 Patente angemeldet werden. U. a. wurde eine Lizenz (einschließlich Ausrüstungen) zur Abscheidung von diamantähnlichen Kohlenstoffschichten nach Japan vergeben.

Zu den erwähnungswerten Leistungen des FZWI gehören u. a. folgende produktionswirksame Entwicklungsergebnisse:

  • Fräswerkzeugsortiment mit Hartmetall und superharten Schneidstoffen
  • Sortiment Ausbohrwerkzeuge (Ein- und Zweischneider, automatisch einstellbare ABW)
  • Sonderwerkzeuge
  • Niedriglegierte und kohlenstoffreiche Schnellarbeitsstähle
  • Titannitrid-Beschichtung von Werkzeugen
  • Entwicklung von Handwerkzeugen
  • Technologieoptimierung in der Werkzeugindustrie
  • Entwicklung und Bau von prozessspezifischen Mess- und Prüfgeräten
  • Industrierobotereinsatzlösungen.

Weitere Entwicklungen waren u. a. das Variable Werkzeugsystem VWS-1 zum Drehen (Bild 2) und ein kombiniertes Schneid-Spreiz-Gerät (Rettungsschere) für die Feuerwehr.

Am 29. Juni 1990 erfolgte die Umwandlung des FZWI in zwei selbständige GmbH, die Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung Schmalkalden/Chemnitz mbH und die Technologiepark Schmalkalden GmbH (1991 in Liquidation).

Im 2.Halbjahr 1991 erfolgte eine Evaluierung der GFE mbH als „Forschungs-GmbH“ im Auftrag der Treuhandanstalt durch das Beratungsunternehmen Gewiplan Frankfurt/Main. Das positiv evaluierte inhaltliche Neukonzept der Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung (GFE) bildete die Grundlage für ein mit der THA und den Ländern Sachsen und Thüringen abgestimmtes Privatisierungskonzept, dessen Umsetzung im Sommer 1992 erfolgreich mit der Gründung der GFE e. V. begonnen wurde.

Mit dem Ziel der schnellen Einführung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Produktion wurde 1977 der Wissenschaft-Technik-Produktions-Verband (WTP-Verband) „Werkzeugwerkstoffe und Werkzeuge“ innerhalb der DDR gebildet. Eine enge Zusammenarbeit entwickelte sich innerhalb des Verbandes mit Instituten der Akademie der Wissenschaften, verschiedensten Sektionen von Universitäten, Hoch- und Fachschulen sowie Kombinaten und Betrieben.

Die Arbeit des FZWI wurde erfolgreich fortgesetzt durch die wirtschaftsnahe Forschungsvereinigung GFE e. V. Schmalkalden, die 2022 auf ihr 30jähriges Bestehen zurückblicken kann.