50 JAHRE WKS, TEIL VII: FORMGESTALTUNG IM WKS-STAMMBETRIEB

Auch im Werkzeugkombinat spielte die ästhetische, funktionale und ergonomische Gestaltung der Produkte eine gr0ße Rolle.

In Verbindung mit der Zielstellung, die DDR-Erzeugnisse am Weltniveau zu messen, wurde auch seit 1962 der industriellen Formgestaltung größere Aufmerksamkeit geschenkt. Aus verschiedenen Vorläuferinstitutionen mit wechselnder staatlicher Anbindung wurde 1972 das Amt für industrielle Formgestaltung (AIF) mit direkter Unterstellung unter den Ministerrat gegründet, dessen Leiter den Rang eines Staatssekretärs besaß. Das AIF hatte u.a. in staatlichem Auftrag Qualitätskontrollen und -bewertungen vorzunehmen. Die Mitwirkungspflichten des AIF waren von Beginn an in den gesetzlichen Grundlagen der Forschung und Entwicklung und für den Industriezweig Werkzeugmaschinen und Werkzeuge in der AVF 201 geregelt. Das Amt vergab seit 1978 den Titel „Gutes Design“ (GD) zu den Leipziger Messen (Bild) und das Prädikat „Gestalterische Spitzenleistung“). Für viele F/E-Projekte, vor allem aber für Staatsplanthemen, war die Zielstellung „Gestalterische Spitzenleistung“ Bestandteil des Pflichtenheftes und wurde mit der Staatlichen Planauflage (STAL) vorgegeben.

In den 80er Jahren gab es einen zentralen Parteibeschluss, wonach 60% aller Industriegüter der DDR mit dem Prädikat SL ausgezeichnet sein mussten.

Der Beschluss des ZK der SED vom 27.01.1982 und der wortgleiche Beschluss des Ministerrates vom 08.02.1982 über“ Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der Formgestaltung in der DDR“ sah u. a. vor, dass in allen Kombinaten entsprechende Maßnahmepläne und Konzeptionen zur weiteren Integration der Formgestaltung in den Forschungs- und Entwicklungsprozeß zu erarbeiten waren. So entstand auch im WKS ein Führungsdokument Formgestaltung des Generaldirektors vom 07.05.1982 (Bild).

Dieses Führungsdokument befasste sich mit folgenden Punkten

  • Anliegen der Formgestaltung im VEB WKS
  • Schwerpunkte der Formgestaltung im VEB WKS
  • Stellung der Formgestaltung im F/E-Prozess
  • Aufbau und Aufgaben des Gestaltungszentrums des VEB WKS
  • Zielstellungen auf dem Gebiet der Formgestaltung und Qualitätsverbesserung in den Jahren 1984 – 1986

Für den VEB WKS war die Formgestaltung, d.h. die Einheit von funktionellen, ergonomischen und ästhetischen Gesichtspunkten, für folgende Erzeugnisgruppen relevant:

  • Handwerkzeuge (Stammbetrieb, VEB Handwerkzeuge)
  • Elektrowerkzeuge (Elektrowerkzeuge Sebnitz)
  • Druckluftwerkzeuge (Niles Berlin)
  • Werkzeuginstandhaltungsmaschinen (Werkö, RWS Schmölln)

Bei Handwerkzeugen waren die Schwerpunkte der formgestalterischen Tätigkeit

  •  Die Sicherung des Sortimentserscheinungsbildes
  • Die Verbesserung der ergonomischen Gestaltung und der Oberflächenausführung
  • Die Griffausbildung
  • Die Sortimentserweiterung und Komplettierung

Eine wesentliche Rolle spielte auch die Verpackungsgestaltung.

Die gestalterische Zielstellungen wurden bereits in die Pflichtenhefte der F/R – Aufgaben aufgenommen und mussten u.a. mit dem AIF abgestimmt bzw. von diesem genehmigt werden. Die Verantwortlichkeiten der Kombinatsleitung in diesem Prozeß wurden im Führungsdokument klar geregelt.

Bis 1981 wurden die formgestalterischen Aktivitäten im WKS- Stammbetrieb im Wesentlichen durch externe Kooperationspartner wie z.B. VEB Designprojekt Dresden und Leipzig, Dipl.-Formgestalter Rudolf Kaiser, Dresden, und durch den freischaffenden Formgestalter Gerhard Usbeck, Steinbach – Hallenberg, realisiert 1982 waren im Stammbetrieb lediglich ein Formgestalter (Fachschulabschluß) und ein Ingenieurökonom für Verpackungsfragen vorhanden.

Das Führungsdokument sah den Aufbau eines Gestaltungszentrums des WKS im Forschungszentrum vor. Dessen Leiter sollte gleichzeitig als Chefgestalter des Kombinates fungieren. Das Gestaltungszentrum sollte folgende Kapazitäten aufweisen: 3 VbE Formgestaltung, 2 VbE Verpackung, 1 VbE Modellbau.

Der Aufbau des Gestaltungszentrums war für 1984, 1985 vorgesehen, scheiterte aber an den jährlichen Einordnungsbedingungen, sodass lediglich eine Gruppe Formgestaltung zunächst in der FA Handwerkzeuge im Stammbetrieb und später als Abteilung im Forschungszentrum aufgebaut werden konnte. Bei der Rückführung der F/E –Kapazitäten des Stammbetriebes zu Beginn des Jahres 1990 verblieb die Abteilung Formgestaltung im Forschungszentrum, obwohl es eine Eingabe der FA Handwerkzeuge an den Generaldirektor zum Verbleib der Formgestaltungskapazitäten in der FA Handwerkzeuge und damit im Stammbetrieb gab. Die Abteilung ETH – Formgestaltung im Forschungszentrum umfasste im Mai 1990 insgesamt 3 Formgestalter und einen Grafikdesigner. Das Gestaltungszentrum hatte auch eine Koordinierungsfunktion gegenüber den externen Formgestaltern. Die KB Elektrowerkzeuge Sebnitz und Niles Berlin sollten Neben dem Stammbetrieb eigene Formgestaltungskapazitäten aufbauen. Ein Vertreter des WKS arbeitete auch im Gutachterausschuß des AIF mit.

Leider wurde das Führungsdokument Formgestaltung aufgrund fehlender Einordnungsbedingungen in den Folgejahren nur teilweise umgesetzt.

Für die formgestalterischen Aktivitäten des WKS gab es eine Reihe von staatlichen Auszeichnungen, z.B. die Verleiheng der Medaille „Gutes Design“ zur

  • LHM 1980 Kraftgriff für Schraubendreher (SB)
  • LFM 1981 Stechbeitel mit Plastgriff (SB)
  • LFM 1981 Kreissägeblattscharfschleifmaschine SWSK 400 (Werkö)
  • LHM 1985 Schraubendrehersortiment Form 10 (SB)
  • LHM 1987 Handpreßzange für Lichtwellenleitertechnik (HWZ)

oder das Prädikat „Gestalterische Spitzenleistung“ (Urkunde des AIF) für den Stammbetrieb

  • 1983 Schlosserhämmer mit geschweiftem Stiel (Bild)
  • 1984 Ratschenschraubenderher
  • 1985 Handsägen mit neuen Griffelementen, Steckschlüsselgarnituren, Elektronikzangensortiment
  • 1987 Hämmersortiment mit Stahlrohrstiel

In die Ausstellung „Design in der DDR“ des AIF im Jahre 1988 wurden auch zwei Exponate des WKS aufgenommen:

  • Handpreßzange PE 15 – 1- u des Veb Handwerkzeuge
  • Hämmersortiment des Stammbetriebes

Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Erzeugnisentwicklung (VEB HWZ) und Formgestaltung (FZWI) stellte das konzipierte Zangensortiment mit vereinheitlichter Griff- und Gewerbeausführung (Bikld) dar, das jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Produktionseinführung kam.

Mit Auflösung des WKS und mit Umwandlung des FZWI gingen die Formgestalter den Weg in die Selbständigkeit, sodass in den Nachfolgebetrieben des WKS keine Formgestaltungskapazitäten mehr vorhanden sind.